Farben gewinnen immer in Cannes– auch bei den Lions. Zwei Favoriten von Juror Grischa Rubinick haben goldene Löwen gewonnen. Und bei beiden dreht es sich um das Thema Farbe.

Weiss. Geschätzte 30 Prozent der Argentinier haben zu hohen Blutdruck. Eine der Hauptursachen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Verursacht vor allem, weil zu viel Salz konsumiert wird. Bei den Argentinier und auch bei uns, weil wir Salz nicht sehen können und so immer mehr ins Essen schütten.Bildschirmfoto 2015-06-23 um 13.09.33

Dagegen kann man was tun. Sagte sich Diego Medvedocky und kam auf die Idee Salz zu färben. „La Sal que se ve“, übersetzt: Das Salz das man sehen kann. Foto 19.06.15 15 18 31In Zusammenarbeit mit der argentinischen Gesundheits- stiftung Fundacion Favaloro wurde im ganzen Land gefärbtes Salz in gestylten Gläschen verteilt. Mit grossem Erfolg! Endlich sah man im Essen, was wir da tagtäglich konsumieren. Und da das Salz auch noch chic verpackt war, wurde es schon fast zum Lifestyleprodukt.

Die Kampagne dazu von Grey Argentina wurde mit dem Hashtag #LaSalQueSeVe verbreitet und gewann bei den Cannes Lions 2x Gold, mehrere Male Silber sowie Bronze.

Grischa Rubinick, Juror in Cannes und Executive Creative Director bei the House, war gleich von dieser Lösung begeistert.

„Die Idee ist so einfach und doch genial. Eine grandiose Kombination! Ehrlich und sympathisch wurde hier auf ein Problem aufmerksam gemacht und gleich von den Konsumenten akzeptiert. Sieg auf der ganzen Linie. Eine Produkt und ein Umdenken, das sich weltweit durchsetzen kann.“

Rot. So präsentierte sich die Sonderausgabe des österreichischen Magazins Vangardist. Die Auflage von 3000 Exemplaren wurde mit Blut von HIV-positiven Menschen gedruckt. Dies, um Vorurteile und Berührungsängste zu thematisieren und abzubauen. Die Kampagne von Saatchi & Saatchi Genf wurde daher auch mit dem goldenen Löwen ausgezeichnet. Für Grischa Rubinick eine klare Aussage. „Ein Case, welches für Aufmerksamkeit sorgt. Wie sieht das Heft aus? Ist es wirklich Blut? Fragen, die einem beim Blättern des Magazins durch den Kopf gehen und dabei hitzige Diskussionen auslösen. Super!“

Bildschirmfoto 2015-06-23 um 13.08.51 Die Sonderausgabe des Magazins wurde mit einer Mischung aus Druckfarbe und sterilisiertem Blut dreier HIV-positiver Menschen hergestellt. Zahlreiche Stars zeigten bei dieser Aktion Unterstützung. Unter anderem die Eurovision Song Contest Gewinnerin Conchita Wurst. Ein Exemplar dieser Sonderausgabe soll nun sogar im Denver Art Museum ausgestellt werden. Bildschirmfoto 2015-06-23 um 13.47.44

Aber auch im Netz kam die Aktion an. Über 8 Millionen Likes, Shares und Kommentare wurden gezählt. Mehr als 300 internationale Medien berichteten über die Kampagne. Ein voller Erfolg für die Genfer Agentur Saatchi & Saatchi. Eine der wenigen Schweizer Agenturen, die dieses Jahr bei den Cannes Lions auffielen. Denn 2015 wird für die Schweiz ein eher schwaches Jahr im internationalen Vergleich. Zwar wurden viele Arbeiten eingereicht, aber die Schweiz hat in Cannes zu wenig Unterstützer. Dabei liegt es nicht an der Qualität, wie Grischa Rubinick betont. Vielmehr spielt hier die Südamerika-Connection. Wie bei einem Eurovision Song Contest schanzen sich verschiedene Länder Punkte zu. Dies darf man nicht unterschätzen.

 

Die Schweiz ist dafür Weltmeister im Feiern. Nach der anstrengenden Jurywoche gibt man sich in Cannes wieder vermehrt dem „dolce vita“ hin und frönt dem sehen und gesehen werden.

Wer in der Branche etwas auf sich hält, trifft in dieser Woche an der Côte d’Azur ein. Die erste Party, die Opening Gala, trumpfte mit Busta Rhymes auf der Bühne auf. Ein Happening am Grill gab es von DJ BBQ. Der Anfang der Partywoche von Cannes. Mit vielen Moves und Lions.