Früher war „live“ nur am TV. Seit es die App Periscope gibt, sind wir überall live dabei. Hundespaziergänge in Los Angeles, eine Hochzeit in der Türkei oder anstehen am Kebabstand in Bern. Ich sehe alles live. Dank Periscope.

Die Benutzung von Periscope ist denkbar einfach. Nach dem Download der App, kann jeder, der im Besitz eines Twitter-Accounts ist, gleich ins Web lossenden. Das ist funny und revolutionär einfach! Nun wird jeder Smartphone-Besitzer zum Live-Producer. Auch dann, wenn andere abschalten, sind wir live dabei. Als zum diesjährigen Finale von „Germanys Next Top Model“ die Sendung wegen einer Bombendrohung abgebrochen wurde, blieb Bild-Reporter Daniel Cremer weiter dran. Sein Periscope-Livestream zeigte, was ausserhalb der Eventhalle passierte und erreichte damit rund 3’000 Zuschauer.

IMG_0434Schlechte Nachricht für traditionelle Fernsehsender. Doch geben sie sich mindestens in den USA Mühe, die neue Live-Stream-App einzubinden.
Die Moderatorin Liz Kotalik zum Beispiel streamt ihre Newsshow aus Tucson/USA regelmässig live. Als Second Screen. Neben dem normalen Morning-News-Programm auf KGUN9 sieht man via Periscope gleichzeitig hinter die Kulissen. Dies macht sie mittlerweile so, als wäre es das Normalste der Welt.

Die Schweizer Medien hingegen tun sich noch schwer mit Periscope und Livestreaming. Ein Versuch der Nachrichtensendung „10vor10“ hinter ihre Kulissen zu schauen, langweilte schon nach 10 Minuten. Kein Wunder: War doch alles bis ins Detail durchgeplant. Die Protagonisten gaben sogar ihr schriftliches Einverständnis, dass sie nun auch gestreamt werden.

Bildschirmfoto 2015-06-10 um 13.52.01Warum das? Der Datenschutz verbietet es, Menschen ohne ihr Einverständnis live zu streamen. Jeder hat das Recht auf sein Bild und seine Privatsphäre. Niemand will ungefragt in die Welt hinausgestreamt werden, ohne dass man es weiss oder merkt. Funktioniert sicher bei einem Stream aus einem Newsstudio einfacher, als wenn Privatpersonen auf die Strasse gehen und alles was ihnen vor die Kamera kommt, aufnehmen.

Ein Problem, welches noch gelöst werden muss.

Vor allem, was darf man, was nicht? Darf ich live aus dem Kino einen Film streamen? Nein, darf ich rechtlich gesehen nicht. Darf ich live-events aus dem PayTV streamen? Auch nicht. Darf ich Livekonzerte streamen? Eher auch nicht, wird aber noch geduldet.

Periscope ist neu und noch in der Entwicklungsphase. Ich kann mir gut vorstellen, dass irgendwann eine „Redaktion“ im Periscope-HQ Streams durchforstet, welche rechtlich ok oder nicht ok sind.
Wie bei Youtube-Videos, müssten alle Livestreams rechtlich geprüft werden. Bis anhin reagiert Periscope nur, wenn ein entsprechender Stream gemeldet wird. Twitter-Pressesprecher Henning Dorstewitz gegenüber der Fachzeitschrift Meedia:

„Periscope duldet keine Piraterie und Streams, die die Rechte von Rechteinhabern verletzen.“

Der „Fun“ wird einem professionellen Service weichen. Und gibt Chancen neue Events und Werbeformen zu entdecken. Erste Projekte dazu werden wir bei The House Agency noch in diesem Sommer umsetzen. Da Periscope eng mit Twitter verbunden ist, ist auch die Reichweite kein Thema mehr.

INFO
Mit PERISCOPE kann man die ganze Welt an seinem Leben teilhaben lassen. Mithilfe der Smartphone-Kamera sendet man eigene Live-Videos direkt in den Twitter-Feed. Fans erhalten daraufhin eine Meldung, dass man live ist. Dabei besteht die Möglichkeit auch unbekannte Filmer auf einer Karte zu entdecken und dem Livestream zu folgen. Die Zuschauer können die Streams kommentieren und  „like“ Herzchen verteilen. Periscope gibt es für iPhone und Android. 

Der Dienst wurde im März von Twitter gekauft. Der Kaufpreis soll bei 86 Millionen Dollar gelegen haben. Gut 10 Tage nach der Vorstellung von Periscope Ende März hatte der Live-Video-Dienst bereits eine Million angemeldete Twitter-Nutzer erreicht.

Als Alternative zu Periscope ist auch die App Meerkat auf dem Markt. Da sie isoliert von den grossen Plattformen agiert, wird ihr keine grosse Zukunft vorausgesagt.

How To

Wie wird man mit Periscope zum Web-Star?

Periscope ist noch neu und es braucht nicht viel dazu. Mit einer guten Idee könnte es also klappen. Wie wäre es mit einer täglichen Live-Periscope-Show aus dem Büro? Aus einer Redaktionssitzung oder die Wettervorhersage draussen auf dem Balkon?
Machen Sie dann ihre Sendung bekannt. Am besten schon vorher. Kündigen Sie ihren Livestream in den grossen sozialen Netzwerken an.
Vernetzen Sie sich. Folgen Sie anderen Periscope-Nutzern.
Werden Sie besser. Mit üben und der richtigen Kameraeinstellung. Schauen Sie sich ihre Filme danach an!